Wer wir sind

Joint Venture

Der Joint Venture ist das strategische Organ von Jegi-hilft und setzt sich aus folgenden Vertretern zusammen

Diese einfache Gesellschaft…
… versteht sich als Bindeglied zwischen der Gemeinde, den Kirchgemeinden und der Bevölkerung von Jegenstorf und Umgebung
… legt eine gemeinsame Strategie im Bereich der Freiwilligenarbeit für Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf fest
… fördert den Kontakt unter den Freiwilligen und zu Jegi-hilft
… initiiert und unterstützt Zusammenarbeitsmodelle mit anderen Organisationen, z.B. kirchliche Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen (KKF), Schweizerisches Rotes Kreuz.

Mitglieder sind:

  • Karin Müller
  • Ursula Wermuth, Kurt Bienz
  • Norbert Graf, Peter Heiri

Koordinationsgruppe

Die Koordinationsgruppe…
… ist das operative Leitungsgremium von Jegi-hilft,
… setzt die vom Joint Venture entworfene Angebotsstrategie um,
… fördert und wirkt verbindend zwischen dem Joint Venture (vertikal) und den verschiedenen Angeboten (horizontal).

Mitglieder sind:

  • Kurt Bienz – Leitung
  • Ursula Wermuth – Homepage, Finanzen
  • Hector Paredes – Internationale Beziehungen
  • Norbert Graf – Schreibdienst, Lernfoyer Mathematik
  • Daniel Keller – Lernfoyer Deutsch
  • Silvia Glauser – Protokoll

Pressebeiträge

Erzwungene Migration ist kein Tourismus

(Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 2/2026)

jegi-hilft ist bekanntlich für alle da, jedoch standen seit Beginn die Flüchtlinge im Fokus. Deren baldige Integration fördern wir aktiv. Auf unsere Anfrage erhielten wir überraschend detaillierte Berichte. Nachstehend teilen wir mit der Leserschaft die Texte von Mariana sowie Ganna mit Tochter Sofia.
Mariana schreibt uns :
Weg nach Jegenstorf: Von der Ukraine ins Herz der Schweiz
Mein Name ist Mariana, ich bin Englischlehrerin aus Saporischschja und Mutter von drei Söhnen.
Als der Krieg begann und die ersten Bomben fielen, war die Entscheidung zu fliehen augenblicklich getroffen – es war die reine Angst um unser Leben und die nackte Ungewissheit. Doch diese Entscheidung betraf nicht unsere gesamte Familie: Meine beiden älteren Söhne sind Agronome und sind in der Ukraine geblieben. Sie arbeiten in einem systemrelevanten Betrieb, der Gemüse für das Hinterland und die Front anbaut. Da ihre Arbeit auf den Feldern für die Versorgung des Landes lebenswichtig ist, haben sie eine offizielle Dienstbefreiung. Auch mein Ehemann konnte uns nicht begleiten – er wurde mobilisiert und leistet seither seinen Dienst für unser Land.
So führte uns der Weg aus der Not heraus an einen Ort, den ich bereits schätzen und lieben gelernt hatte.
Unser Weg nach Jegenstorf glich einem kleinen Wunder. Nach einer Woche im Bundesasylzentrum in Bern wurden wir von der Familie Matthias Zünd aufgenommen. Wir fühlten uns nicht wie Gäste, sondern wie zu Hause – oder sogar noch besser. Unser Gastgeber wurde unser Wegweiser: Er erklärte uns die Regeln, den Alltag und führte uns buchstäblich an der Hand in das Schweizer Leben ein.
Einen besonderen Platz in unserer Integration nahm die örtliche Kirche ein. Die Deutschkurse im Kirchgemeindehaus, die gemeinsamen Picknicks und die wertvollen Ratschläge – dieser herzliche Kreis von Menschen liess uns nie das Gefühl haben, fremd zu sein. Die Menschen in Jegenstorf sind wunderbar: geduldig, einfühlsam und unglaublich offen.
Natürlich gab es Schwierigkeiten. Die grösste Herausforderung für mich als Fachkraft ist die Jobsuche und die Anerkennung meiner Diplome. Zurzeit unterrichte ich meine ukrainischen Schüler noch zu 75 % online, aber ich bin es nicht gewohnt, aufzugeben. Jetzt arbeite ich mit der Organisation Ukraine-Hilfe-Bern zusammen. Ich helfe dabei, Reisen durch die Schweiz für Menschen im „goldenen Alter“ zu organisieren. Es ist mir eine grosse Ehre, ihnen das reiche kulturelle Erbe der Schweiz und die Schätze ihrer Museen näherzubringen, sowie die Geheimnisse der Käsereien, Schokoladenfabriken und Uhrenmanufakturen zu zeigen. Ihre Begeisterung zu sehen, ist der schönste Lohn. Mein besonderer Dank gilt allen Sponsoren, die unseren Landsleuten diese Erlebnisse ermöglichen.
Ich hatte das Glück, hier Menschen zu begegnen, die für mich wie eine Familie geworden sind. Meine Freundin, oder besser gesagt meine „gewonnene Schwester“ Olena Weyeneth ist immer an meiner Seite. Wie eine echte Schwester lässt sie mich nie mit meinen Problemen allein – sei es im Krankenhaus, bei der Wohnungssuche oder in alltäglichen Momenten. Es ist so kostbar, jemanden zu haben, der einen so bedingungslos unterstützt.
In der Ukraine habe ich sehr alte Eltern (mein Vater ist 90, meine Mutter 86), die ich leider nicht zu mir holen kann. Aber das Schicksal schenkte mir hier die Begegnung mit einer wunderbaren Frau – sie ist für mich zu einer unersetzlichen Stütze und Mentorin geworden – aufmerksam, weise und sehr geduldig.» Wir lernen gemeinsam Deutsch, sprechen über Politik, und sie ist für mich wie eine „Schweizer Mutter“ geworden – streng, aufmerksam und sehr geduldig.
Es gibt ein schönes Zitat: „Zuhause ist kein Ort, sondern ein Gefühl, und wir sind dort glücklich, wo wir geliebt und geschätzt werden.“ Dank der Menschen, denen ich hier begegnet bin, lebe ich ein erfülltes Leben. Ich genieße jeden Tag und das Wichtigste: Ich muss keine Angst mehr haben, ob ich morgen früh aufwache oder nicht. Danke, Jegenstorf, für diesen Frieden und diese Liebe.

Mariana

Ganna berichtet :
Mein Name ist Ganna, ich komme aus der Ukraine, Kyjiw.
Ich habe mich entschlossen, all das so ausführlich zu schildern. Ja, ich habe viel geweint und sogar schon daran gedacht, auf das Angebot, meine Geschichte zu erzählen, zu verzichten, denn es tut immer noch weh, an mein Leben vor dem Krieg zurückzudenken.
Bis zum 24. Februar 2022 lebte ich mit meiner Tochter in Kyjiw, in meiner eigenen Wohnung im 19. Stock eines neuen Gebäudes, das 2017 erbaut wurde.


Zu Beginn des Krieges, am 24. Februar 2022, suchten wir Zuflucht in der Tiefgarage unseres Hauses. Da dieser Raum dafür nicht vorgesehen war, wurde ich krank. Vielleicht lag es am Stress, vielleicht auch an etwas anderem, aber ich hatte fast eine Woche lang Fieber.


Ich kochte und putzte die Wohnung, konnte mich aber leider nicht zu einer Evakuierung entschließen. Obwohl mein Ex-Mann darum gebeten hatte, unsere Tochter zu ihm zu bringen. Da meine Tochter jedoch keine enge Beziehung zu ihrem Vater hat, sagte sie, als ich sie fragte: „Ich möchte bei dir bleiben.“
Mein Ex-Mann ist russischer Staatsbürger, lebt aber schon seit vielen Jahren in Krakau, in Polen. Als es mir besser ging, begann ich darüber nachzudenken, wohin wir fahren könnten. Eigentlich wollte ich die Ukraine gar nicht verlassen. Ich hatte überhaupt nicht vor, ins Ausland zu fliehen. Ich wollte einfach ein paar Wochen oder vielleicht Monate in Lemberg warten, bis die Region Kyjiw befreit und die Lage beruhigt sein würde.
Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ein vollumfänglicher Krieg mit Bomben möglich ist, wenn das direkt vor deinen Augen geschieht – wenn du nach Südwesten schaust und dort nachts ein feuriges Leuchten siehst und nicht verstehst, warum, denn Russland liegt doch eigentlich im Osten. Die Orks wollten Kyjiw in einen Ring einschließen.
Erst später las ich von der Schlacht um Kyjiw, die stattgefunden hatte, und davon, dass die russischen Truppen schließlich am 1. April 2022 vollständig aus der Region Kyjiw vertrieben worden waren. Das las ich erst in der Schweiz. Und damals war es einfach sehr, sehr beängstigend.
Am 5. März 2022 beschloss ich, für ein paar Monate nach Lemberg zu fahren. Dort lebte der Onkel meines Vaters. Nachdem wir in Lemberg angekommen waren und dort zwei Tage unter ständigem Beschuss verbracht hatten, beschlossen meine Tochter und ich, nach einer anderen Möglichkeit zu suchen; ich dachte, wir müssten 3–4 Monate an einem sicheren Ort abwarten.
Am 9. März früh morgens verließen wir Lemberg mit einem Kleinbus. Wir sind nicht zufällig hier gelandet. Meine Freundin, die eine anthroposophische Lehrerausbildung hat (von Beruf ist sie Wirtschaftswissenschaftlerin), erzählte mir, dass sich in diesem Umfeld Gruppen gebildet haben, die Ukrainern helfen, in anderen Ländern Zuflucht zu finden und die Zeit der Bombardierungen zu überstehen.
Dank einiger Kontakte – von einer ukrainischen Lehrerin an der Waldorfschule in Steffisburg bis hin zu Teresa Oswald-Müller in Jegenstorf – kam der Kontakt zustande. So landeten wir schließlich hier.
Spät am Abend des 10. März wurden wir in Bern abgeholt, und am 11. März nahm uns Teresa bei sich zu Hause auf. Wir haben ein ganzes Jahr bei ihr gewohnt.
Dafür bin ich unendlich dankbar. Wir haben bis heute eine herzliche, freundschaftliche Beziehung. Teresa hat meiner Tochter alle Möglichkeiten geboten, ihren Weg fortzusetzen. Sie lernte gemeinsam mit ihr Französisch. Bei ihr zu Hause stand ein Klavier, und Sofia konnte ihren Musikunterricht fortsetzen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie gross Teresas Herz ist, dass sie völlig fremde Menschen in ihr Haus aufgenommen hat und ihnen nicht nur Unterkunft, sondern auch Verständnis und ihre Liebe schenken konnte. Teresa hat drei wunderbare Schwestern, die uns unterstützt haben und uns weiterhin unterstützen. Jetzt besucht meine Tochter das Gymnasium und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium vor.
Ich habe alles, was ich für ein sicheres Leben brauche. Ich muss sagen, dass es mir immer noch peinlich ist, dass es mir hier gut geht. Und gleichzeitig schäme ich mich dafür, dass es mir hier schlecht geht, obwohl es hier fast wie im Paradies ist. Ich lebe in einer wunderschönen europäischen Kleinstadt. Hier ist es sauber, sicher, und die Gesetze funktionieren. Aber ich fühle mich, als hätte man mich mit den Wurzeln ausgerissen und in eine Plastikbox gepflanzt. Ich rufe zu Hause an, wo Sirenen heulen und Bomben fallen. Und ich kann mich nicht beklagen, ich kann nicht sagen, dass ich depressiv bin, über meine Einsamkeit sprechen, wenn die Menschen dort kaum überleben, sterben. Und all meine Probleme sind für sie unangebracht. Aber die Wahrheit ist, dass erzwungene Emigration kein Tourismus ist, und ich bin nicht hierhergekommen, um Geld zu verdienen. Es ist Isolation, wenn ich eine Fremde unter Fremden bin, wenn mein Körper in Sicherheit ist, aber mein Verstand und meine Seele in einem ständigen Spagat zwischen hier und dort. Ich habe alles für ein komfortables Leben, aber ich habe das Leben selbst nicht. Sicherheit ist nicht gleich Glück. Mein Schmerz über den Verlust meiner Heimat ist so stark. Ich muss nicht rund um die Uhr dankbar sein für das, was ich habe … dafür, dass keine Bomben auf mich fallen. Ich habe das Recht zu weinen, ich habe das Recht zu trauern, und das sogar hier in der Schweiz. Ich werde niemandem erlauben, meinen Schmerz herabzuwürdigen, denn es kann sogar im Paradies wehtun, wenn das Paradies nicht mein Zuhause ist.
Und die Schweiz tut, zu meinem grossen Bedauern, alles dafür, dass ich mich hier nicht zu Hause fühle. Vor allem mit dem S-Status, mit dem ich nur schlecht bezahlte Jobs bekomme, da ich mein Diplom als Juristin für internationales Recht und Übersetzerin nicht nachweisen kann. Vor etwa zwei Jahren ging ich zum Gemeindehaus und fragte: Meine Tochter wird bald 18 Jahre alt. Ich weiss, dass nur 18-Jährige eingeladen werden, um in der Gemeinde zu feiern. Man sagte mir, das sei nur für diejenigen, die einen Schweizer Pass haben. Sie schliessen jene Kinder, die derzeit in der Schweiz eine Ausbildung absolvieren und bereits durch ihre Arbeit einen Beitrag leisten, eigenmächtig aus Ihrem gesellschaftlichen Leben aus und vereiteln die Integration dieser Kinder mit Ihren eigenen Händen. Das verstehe ich nicht.
Als ich gebeten wurde, über meine Erfahrungen in der Schweiz zu schreiben – welche größten Schwierigkeiten und Probleme mir hier mit meiner Tochter begegnet sind, was mir besonders geholfen hat, was ich im Rückblick anders machen würde –, nun, zunächst einmal würde ich die Frage „Wann fahrt ihr denn wieder zurück?“ überhaupt nicht tolerieren. Sie fragen mich mit einem Lächeln, das so höflich ist, als wäre ich eine Wahrsagerin und wüsste, wann dieser Krieg enden wird. Jeder weiß, dass unser Aufenthalt hier gemäß den geltenden Gesetzen nur vorübergehend ist. Aber trotzdem wird immer wieder danach gefragt. Diese Frage macht mich so wütend, ich weiss nicht, ich weiss keine Antwort darauf. Wenn Sie ein Herz haben, fragen Sie eine Ukrainerin oder ihr Kind nicht: „Wann geht ihr zurück?“ Fragen Sie sie auch nicht nach der Zukunft – niemals. Wir können unsere Zukunft nicht planen, weil der Status S nur vorübergehend ist. Und solche Fragen fühlen sich in unserer Situation an, als würden Sie uns mit einem Messer verletzen.
Es tut mir auch weh, dass ich jetzt eine Flüchtling bin, mit meinen Diplomen als Juristin für internationales Recht und als Referentin und Übersetzerin. Ich arbeite auf einem Bauernhof, koche Mittagessen, putze Toiletten. Ich weiss nicht, wann das enden wird. Ich möchte so gerne zurückkehren, aber dort fallen Bomben. Das kann ich mir nicht antun. Ich habe Angst. Ich habe einfach Angst, wie jeder normale Mensch. Ich weiss, dass gewöhnliche Menschen, Ukrainer, Zivilisten nicht aus eigenem Willen zu Soldaten wurden, sondern weil ein anderes wildes Land, das die Schweizer aus irgendeinem Grund als Kultur betrachten, nämlich Russland, die Ukraine angegriffen hat. Vor zwei Jahren habe ich in Jegenstorf einmal ein Auto mit einem Georgsband gesehen, wir nennen es das Kolorado-Band. Ich habe ein Foto davon gemacht, mich an die Polizei gewandt und gesagt: „Das ist doch Nazismus, Ukrainer werden gerade getötet, wir sind wie die Juden während des Zweiten Weltkriegs.“ Und man sagte mir, dass in der Schweiz nicht einmal faschistische Symbole verboten seien. So habe ich erfahren, was echte Schweizer Neutralität bedeutet.
Nun, man sagt, Krieg sei ein Fehler des Systems, Krieg sei… Ich bin der Meinung, dass Krieg Teil eines historischen Prozesses ist. Es findet ein historischer Prozess der Befreiung der Ukraine von den russischen Besatzern, von der Ideologie des KGB statt. Ich möchte noch hinzufügen, dass Krieg natürlich schlecht ist und dass Krieg außerhalb des Gesetzes steht. Und in diesem Fall, wenn Krieg stattfindet, wenn er bereits stattfindet, dann ist das wohl, wie die Schweizer erklären, das Ergebnis gescheiterter Gesellschaften. So wie es in armen Vierteln, in Favelas, zu Schlägereien kommt, während zivilisierte Menschen sich einigen können. Und wenn es schon Krieg ist, dann ist das eine Zone der Wildnis. Und dort spricht man von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und man sagt dir: Na ja, es ist Krieg, aber man muss sich einigen. Und wie ein belgischer Politiker und Diplomat kürzlich zu einem ukrainischen Diplomaten sagte: Warum kapituliert ihr nicht? Nehmt euch ein Beispiel an uns, wir haben uns doch während des Zweiten Weltkriegs den Deutschen ergeben und so Brüssel gerettet und die Bombardierungen vermieden.“ Als ob aus dem Gedächtnis verschwunden wäre, zu welchem Preis. Womit, oder besser gesagt, mit wem sie für ihr ruhiges Leben bezahlt haben. Sie haben mit ihren Juden bezahlt.
Andererseits möchte ich hervorheben, wie positiv mich in der Schweiz das Phänomen beeindruckt hat, dass es nicht nur die Kirche als Institution gibt, sondern auch das Kirchgemeindehaus. Die Rolle der Kirchgemeinden im gesellschaftlichen Leben ist meiner Meinung nach eindeutig entscheidend und in anderen Ländern nicht in dieser Form vorhanden. Für mich ist es bemerkenswert, dass es in der Schweiz diese Institution der Kirchgemeindehäuser gibt, als Orte der Begegnung, an denen man sich außerhalb des Gottesdienstes in der Kirche treffen kann. Und diese ungezwungene Gemeinschaft, das regelmäßige Zusammenkommen von Menschen – das heisst, es gibt Räumlichkeiten, die sehr gut ausgestattet sind, eine Organisation mit vielfältigen Funktionen und Mitarbeitern sowie einen sehr gut ausgestatteten Saal und eine Küche, in der man alles zubereiten kann. Meiner Meinung nach spielt diese Organisation eine äusserst wichtige soziale Rolle, sowohl für junge Menschen als auch für Rentner, für Familien, wenn junge Eltern mit ihren Kindern kommen können, wenn Migranten wie wir, Ukrainer oder Menschen aus anderen Ländern, kommen können, um die Sprache zu lernen und mit den Schweizern zu kommunizieren. Für mich ist dies eine aussergewöhnliche Organisation, die viele von euch Schweizern vielleicht nicht wahrnehmen, wie wichtig die Kirchgemeindehäuser für das gesellschaftliche Leben des Landes sind. Ich möchte auch betonen, wie wichtig die Arbeit von Jegi-hilft ist – dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Konfession, sich an euch wenden kann, um Hilfe zu erhalten. Dank Jegi-hilft lerne ich derzeit weiterhin Deutsch bei Herrn Heiner Brüngger.
Ich würde mir wünschen, meinen Traum zu verwirklichen, den C1-Kurs abzuschliessen, ein Zertifikat zu erhalten, eine angemessene Arbeit zu finden, um eine Schweizer Ausbildung zu absolvieren oder mein Diplom zumindest in dem Bereich anerkennen zu lassen, in dem ich als Übersetzerin tätig bin. Oder mich hier in der Schweiz umschulen zu lassen und vollständig aus der Sozialhilfe auszusteigen.


Und Ganna’s Tochter Sofia antwortet auf unsere Fragen ganz einfach:
Ich bin Ukrainerin und habe bis 2022 mein ganzes Leben in der Ukraine verbracht. Seitdem lebe ich in der Schweiz. Der Anfang hier war nicht einfach, aber ich habe auch viel Unterstützung erfahren.
Besonders geholfen hat mir die Kirchgemeinde. Dort habe ich moralische Unterstützung erhalten und leichter Anschluss gefunden.
Die grössten Schwierigkeiten waren am Anfang die Sprachbarriere und kulturelle Unterschiede. Heute ist vor allem die Unsicherheit über die Zukunft belastend. Manchmal hat man das Gefühl, weder hier noch in der alten Heimat ganz dazuzugehören.
Heute bin ich sehr gut integriert, auch wenn es ein langer Prozess ist.
Mein grösster Traum ist es, an der Universität ein Studium im medizinischen oder naturwissenschaftlichen Bereich aufzunehmen.»

Ankommen in Jegenstorf – die Geschichte von Marko und Yevheniia

Wir sind Marko und Yevheniia und wir kommen aus der Ukraine. Seit 2022 Jahr leben wir  in Jegenstorf – und wenn wir zurückblicken, sind wir tief dankbar für alles, was uns hier widerfahren ist.
Am Anfang war vieles schwierig. Vor allem die Sprache war eine grosse Hürde. Doch noch schwerer war das Gefühl der Ungewissheit: Wie soll das Leben weitergehen? Fern der Heimat, in einer völlig neuen Umgebung?
Besonders am Herzen liegt uns, der Familie Dan und Bettina Ford zu danken. Sie haben uns von Anfang an mit offenen Armen empfangen und uns bei buchstäblich allem geholfen – nach Kleidung und Essen, bei der Schulanmeldung für unseren Sohn Artём, beim Einrichten des Alltags und bei der ersten sozialen Integration. Auch bei der Suche nach einer eigenen Wohnung und der Beschaffung von Möbeln standen sie uns zur Seite – und das alles mit grosser Herzlichkeit und moralischer Unterstützung. Ihre Rolle in unserem Integrationsprozess kann man gar nicht hoch genug einschätzen.
Ebenso möchten wir unseren ehemaligen Nachbarn, der Familie König, herzlich danken. Sie haben uns in jeder kleinen Alltagssituation geholfen und uns stets das Gefühl gegeben, willkommen zu sein.
Auch die Unterstützung durch das Schweizer Sozialsystem war für uns sehr wertvoll: Sprachkurse, Seminare und finanzielle Hilfe haben uns geholfen, schrittweise auf eigenen Beinen zu stehen. Die lokale Kirche hat ebenfalls einen wichtigen Beitrag geleistet – nicht nur durch Sprachkurse, sondern auch durch moralische, psychologische und kreative Unterstützung.
Unser Sohn Artём hat die neue Sprache schnell gelernt und viele Freunde gefunden – das macht uns sehr stolz und glücklich.
Heute haben wir beide eine feste Arbeitsstelle gefunden und sind in eine grössere Wohnung umgezogen, damit Artём endlich ein eigenes Zimmer hat. Wir arbeiten weiter an unseren Deutschkenntnissen und haben klare Ziele: berufliches Wachstum und eine vollständige Integration in die Schweizer Gesellschaft.
Wir sind von Herzen dankbar für jeden Menschen, dem wir hier begegnet sind. Die Schweiz – und besonders Jegenstorf – haben wir wirklich ins Herz geschlossen.
Marko und Yevheniia

jegi-hilft dankt euch herzlich, Mariana, Ganna und Sofia, Marko und Yevheniia, dafür dass ihr euch Zeit genommen habt für diesen Bericht. 
Ursula Wermuth

Jegi-hilft und der Helpdesk

Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 1/2026

Wer Helpdesk liest, denkt zuerst an ein Computer Problem, oder eventuell die Kaffeemaschine die streikt, oder ein anderes Problem eher technischer Art. Für all diese Anliegen kann man sich zwar auch an den HelpDesk von jegi-hilft wenden, doch deckt dieser einen weit grösseren Bereich ab. Trotzdem ist er nicht mit irgendeiner Kleinanzeigen Plattform zu vergleichen.
Angebote oder Anliegen, die beim Helpdesk von jegi-hilft eintreffen, werden an die Teilnehmenden der Mailingliste von jegi-hilft weitergeleitet. Es sind dies Leute, welche bewusst anderen helfen möchten. Es wird z.B. jemand gesucht zum Rasenmähen, oder jemand hat eine Wohnung anzubieten, oder es wird einfach eine Person gesucht, welche diverse Unterstützung bieten kann, zum Arzt fahren oder zu den Blumen schauen. Oder aber eine neu zugezogene Familie sucht Hilfe, um ein Netzwerk zu bilden, damit ihre Kinder in der Schule unterstützt werden können, oder die Familie benötigt Rat bei administrativen Fragen … Jemand suchte sogar nach einem Auto das gratis abzugeben wäre… Der Helpdesk ist wirklich für alles offen! Ganz nach dem Motto: nicht verzagen, helpdesk fragen:
Ursula Wermuth
Anfragen richten an: kurt.bienz@jegi-hilft.ch oder 031 761 01 39

Tea&Talk – Lichtblicke im Flüchtlingsalltag

Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 4.2025

Der Standort des Bundesasylzentrums «Im Sand» war seit Beginn umstritten und heiss diskutiert, da es sich auf einem Armeegelände befindet. Diese Umgebung ist für Personen, welche wegen einem Krieg flüchten mussten, nur schwer zumutbar. Mittlerweile befinden sich bis zu 200 Flüchtlinge in diesem Zentrum, mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von drei Tagen ; es kann aber auch länger dauern – bis zu 90 Tagen !

Um einen Lichtblick in die schwierige Lage der Flüchtlinge zu bringen, gibt es den Anlass «Tea &Talk» – ein Projekt das von Hector Paredes, Pastor der Hope International Church in Urtenen, lanciert wurde, in Zusammenarbeit mit der Sozialarbeiterin Maria Matter von der reformierten Kirchgemeinde Moosseedorf. Es handelt sich um ein Projekt zur Betreuung der Migrantinnen und Migranten aus der Ukraine und findet jeweils am Mittwoch und Samstag statt. Dieses Freizeitangebot wird von Gruppen von 15 – 30 Menschen benutzt, sie begeben sich zu Fuss und bei jedem Wetter vom Bundesasylzentrum «Im Sand» an den Rosenweg 2 in Urtenen. Dort finden sie einen sicheren Raum für Gespräche bei Tee und Gebäck. Kinderspiele z.B. Trampolin, Sandkasten, werden angeboten. Dabei wird Hector unterstützt von 8 Freiwilligen (darunter 5 Ukrainerinnen).

Hector und Karina sind bereit einige Fragen zu beantworten:

Hector : Wenn du das Konzept von Tea & Talk in wenigen Worten beschreiben müsstest, was würdest du sagen?

Tea & Talk ist ein offener, herzlicher Begegnungsort, wo Flüchtlinge einfach zur Ruhe kommen dürfen – bei einer Tasse Kaffee oder Tee, im Gespräch oder beim Zusammensein. Es ist eine Gelegenheit, für ein paar Stunden das Asylzentrum zu verlassen, frische Luft zu schnappen und neue Menschen kennenzulernen.
Das stimmt – die meisten bleiben nur kurze Zeit, manchmal nur zwei oder drei Tage. Aber auch kurze Momente der Freundlichkeit können eine tiefe Wirkung haben. Viele Flüchtlinge kommen erschöpft, unsicher und isoliert an. Wenn sie in einen Raum kommen, der von Wärme, Musik und Gespräch erfüllt ist, spüren sie sofort, dass sie nicht vergessen sind. Selbst wenn sie am nächsten Tag weiterziehen, nehmen sie dieses kleine Zeichen von Würde und Hoffnung mit. Genau das motiviert mich, weiterzumachen.
Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Viele Menschen sind dankbar – wirklich sehr dankbar. Einige erinnern sich an meinen Namen oder wissen zumindest, dass ich der Pastor bin. Sie müssen gar nicht viel sagen; man sieht es in ihren Gesichtern, dass sie sich gefreut haben, dabei zu sein. Sie geniessen es, für ein paar Stunden draussen zu sein, gute Gespräche zu führen, Kaffee, Tee und Snacks zu bekommen und neue Freunde zu finden.
Ja. Wir sind sehr dankbar für Pastor Kurt Bienz, der das Projekt über Jegi-Hilf mit auf den Weg gebracht hat, und für Maria Matter von der Reformierten Kirche, die von Anfang an engagiert mitgewirkt hat. Ein grosser Dank gilt auch dem EGW Schönbühl, die uns ihr Kirchengebäude für das Programm zur Verfügung stellt. Ohne ihre Gastfreundschaft wäre Tea & Talk gar nicht möglich.

Was bewegt dich, bei Tea & Talk dabei zu sein? Die Leute bleiben doch nur wenige Tage im Asylzentrum. Ist das nicht frustrierend?

Wie ist die Rückmeldung der Teilnehmenden – Ukrainer oder andere?

Gibt es etwas, das du unbedingt noch sagen möchtest?

Wir sind auch unseren vielen Freiwilligen zutiefst dankbar – besonders Vitalii, Karina, Galina, Anna und Dani. Diese Freiwilligen sind das eigentliche Herzblut des Projekts. Ohne sie könnten wir dieses Angebot, das jeden Monat über hundert neu ankommende Ukrainerinnen und Ukrainer erreicht, gar nicht fortführen.

Unsere ukrainischen Freiwilligen übernehmen die wohl anspruchsvollste Aufgabe: Sie führen tiefgehende Gespräche mit ihren Landsleuten – in ihrer eigenen Sprache. Sie investieren viel Zeit, Kraft und Herzblut, indem sie zuhören, begleiten und aus ihren eigenen Erfahrungen in der Schweiz weitergeben. Dani hingegen ist Schweizer, aber er hat ein riesiges Herz. Er liebt es, zu dienen, und kann bezeugen, wie viele Menschen berührt wurden – und wie oft Gespräche über den Glauben entstehen, unter Männern und Frauen, die suchen, zweifeln oder einfach einen kleinen Hoffnungsschimmer inmitten von Unsicherheit brauchen.

Karina : Viele Menschen, die allein angekommen sind, werden dauerhaft in solche Zentren verlegt. Es ist klar, dass es eine schwierige Lebensphase ist, kein Deutsch oder Englisch zu sprechen und keine Verwandten oder Freude zu haben, die einen beim Weiterkommen helfen können.

Warum nimmst du an diesem Projekt teil ? Weil mir viele Menschen geholfen haben und weiterhin helfen. Aus spiritueller Sicht ist es mir ausserdem wichtig, auch anderen Menschen zu helfen. Deshalb bin ich dem Aufruf der Organisatoren dieses Projektes gefolgt.

Die Flüchtlinge bleiben ja nur wenige Tage im Asylzentrum, es sind keine vertieften Kontakte möglich. Ist das nicht frustrierend ? Ja ich würde gerne von Zeit zu Zeit mit einigen Teilnehmern in Kontakt bleiben, aber mein Hauptziel ist es, ihnen hilfreiche Tipps zu geben, damit sie sich leichter in der neuen und unbekannten Welt zurechtfinden. Zuerst kommen unsere Leute ohne zu verstehen, warum sie eingeladen wurden, aber dann bedanken sie sich. Und das freut mich natürlich, denn es zeigt mir, dass die Treffen nicht umsonst sind.

Gibt es etwas das du unbedingt sagen möchtest ? Ich sehe, dass unsere gebildeten Menschen aus der Ukraine hierher kommen, manche sogar mit zwei Hochschulabschlüssen, Menschen die ein Zuhause, Eigentum und ein stabiles Leben hatten. Jetzt ist alles anders für sie, und sie stehen vor völligen Ungewissheit. Viele hoffen in ihre Heimat zurückkehren zu können, manche haben kein zu Hause mehr, und selbst die Stadt in der sie lebten ist zerstört. Besonders schlimm ist es für diejenigen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können, für die Alten und die Kranken. Wir haben ihr Leben ein wenig erhellt, ihnen Hoffnung gegeben, und der Rest liegt in Gottes Hand.

Herzlichen Dank, Hector und Karina, dass ihr mir beim Verfassen dieses Artikels geholfen habt !

[Tea&Talk 

 

Vorschau auf das Sommerfest der Kirchgemeinde Jegenstorf

Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 2*2025

Die reformierte Kirchgemeinde Jegenstorf lädt ein zum Grossen Sommerfest – am 14. und 15. Juni 2025. Natürlich lässt Jegi-hilft es sich nicht entgehen, bei dieser Gelegenheit Menschen verschiedener Kulturen zusammen zu bringen. So werden am Samstag türkische und mexikanische Gerichte angeboten, während am Sonntag die äthiopische & ukrainische Küche zu entdecken ist.

Wir haben Hakki und Hector gebeten, uns etwas über ihre angebotenen Speisen zu erzählen. Wir wollten wissen :
– wie kam es zur Auswahl der vorgeschlagenen Speisen ?
– warum sollten unsere Gäste diese unbedingt probieren ?
– inwiefern sind sie speziell für euer Heimatland ?
– sind dies alltägliche Gerichte oder eher für besondere Anlässe ?

Hakki erklärt dazu : ich werde folgende Gerichte anbieten :

Börek: dies ist eines der beliebtesten Gerichte der türkischen Küche. Diese köstliche Speise wurde von den Turkvölkern aus Zentralasien nach Anatolien gebracht und im Osmanischen Reich weiter verfeinert. Heute wird es in der ganzen Türkei mit Hingabe zubereitet.
Zutaten:
– Dünner Teig („Yufka“) 
– Füllung mit Käse, Spinat, Hackfleisch oder Kartoffeln 
– Butter oder Öl (für die Knusprigkeit) 
– Petersilie und Chiliflocken (für die Deko) 

Warum ist es besonders?
Börek ist ein unverzichtbarer Teil der türkischen Gastfreundschaft. Es wird zum Frühstück, Abendessen oder bei Festen serviert und oft mit Ayran (Joghurtgetränk) oder Tee genossen.

Çiğköfte: ist eine der einzigartigsten Speisen der Türkei mit einer jahrtausendealten Tradition. Ursprünglich aus Bulgur und Gewürzen zubereitet, ist es heute ein kulinarisches Symbol in Städten wie Şanlıurfa.
Zutaten (Vegetarisch):
– Feiner Bulgur 
– Tomaten- und Paprikamark 
– Isot (Urfa-Pfeffer), Kreuzkümmel, Granatapfelsirup 
– Frische Kräuter (Salat, Petersilie) 
– Zitrone und Walnüsse (für die Servierung) 

Warum ist es besonders?
Çiğköfte ist ein soziales Erlebnis! Es wird gemeinsam zubereitet und in Salatblätter gewickelt serviert. Dazu trinkt man traditionell „Şalgam“ (Rübengetränk) oder Ayran. 

Hector sagt: In diesem Jahr freue ich mich sehr, beim Jegenstorfer Sommerfest ein Stück meiner Kultur durch Essen weiterzugeben. Auf dem Menü stehen Burritos und Quesadillas – zwei Gerichte, die bei uns zuhause oft auf den Tisch kommen und sich wunderbar für ein Fest wie dieses eignen. Sie sind unkompliziert, voller Geschmack, draußen gut zu essen und kommen bei Kindern wie Erwachsenen gut an.

Warum sollte man sie probieren?
Weil sie wirklich gut schmecken. Aber auch, weil sie eine Geschichte erzählen. Seit ich in der Schweiz lebe, habe ich viele Schweizer Gerichte kennen- und lieben gelernt. Ich wurde mit offenen Armen empfangen – auch kulinarisch – und habe erlebt, wie stark Essen verbindet.
Gerade Quesadillas sind für mich wie eine Kombination meiner beiden Welten: Käse und Tortilla. Das ist Mexiko und Schweiz auf einem Teller. Für mich persönlich ist das etwas Besonderes. Diese Speisen zuzubereiten ist meine Art, etwas zurückzugeben – ein Stück meiner Geschichte weiterzugeben, so wie mir hier so vieles geschenkt wurde.

Was macht diese Gerichte typisch mexikanisch?
Burritos und Quesadillas gibt es in ganz Mexiko – aber die Art, wie ich sie zubereite, spiegelt die Aromen des Nordens Mexikos, insbesondere Sonora, meiner Heimatregion, wider. Zutaten wie Weizentortillas, pürierte Pintobohnen, Rindfleisch, Reis, Tomaten, Zwiebeln und Koriander gehören zu den Geschmäckern, mit denen ich aufgewachsen bin.
Die Weizentortilla ist vor allem im Norden Mexikos verbreitet. Ihre Wurzeln reichen bis nach Europa zurück – und noch weiter, denn durch den Einfluss der Mauren kamen bestimmte Brotformen von Nordafrika nach Europa und schließlich nach Amerika. Mexiko hat diese Einflüsse aufgenommen und etwas Eigenes daraus gemacht. Das liebe ich an der Küche: Sie bringt Geschichten, Kulturen und Menschen zusammen.

Alltagsgerichte mit viel Herz
In Mexiko sind Burritos und Quesadillas ganz normale Alltagsgerichte. Einfach, sättigend, vertraut. Aber hier in der Schweiz haben sie für mich eine neue Bedeutung bekommen. Jedes Mal, wenn ich sie zubereite, ist es mehr als nur Kochen – es ist Erinnerung, Verbindung, ein Stück Heimat.
Kochen ist für mich eine der besten Arten, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ob zuhause oder bei einem Fest – Essen öffnet Türen, bringt Menschen zusammen und schafft Raum für echte Begegnung. Genau das wünsche ich mir für das Sommerfest in Jegenstorf.

 

 Schreibdienst von jegi-hilft

 

Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 4/2024

Unser Angebot richtet sich an Erwachsene. Insbesondere sollen Personen mit
fremdsprachigem Hintergrund den Schreibdienst jegi-hilft beanspruchen können.

Wir beraten und unterstützen beim

–  Lesen, Verstehen und Beantworten von amtlichen Briefen und Dokumenten
– Verfassen einfacher Korrespondenz in deutscher Sprache
– Ausfüllen und Einreichen von Formularen
– Schreiben von Anträgen und Gesuchen (z.B. Prämienverbilligung der obligatorischen
Krankenversicherung, Härtefallbewilligung Umwandlung F in B-Ausweis)
– Entwerfen von Bewerbungen und Lebensläufen
– Erledigen privater Korrespondenz.

Sie bringen mit
–  Ihre Dokumente
–  bei Bewerbungen Ihre Angaben bezüglich Personalien, besuchter Schulen, Aus- und
Weiterbildungen, beruflicher Erfahrungen, Hobbies und Interessen, ein Foto sowie
Stelleninserate, Websites, wo Sie sich bewerben möchten
–  Bei Anträgen auf Prämienverbilligung die letzten drei Lohnabrechnungen

Wir sind Freiwillige, arbeiten vertrauenswürdig und unentgeltlich.

Bei Fragen erreichen Sie
uns während den Öffnungszeiten unter 079 752 11 46 oder norbert-graf@bluewin.ch.
Wir sind für Sie da am Dienstag der Kalenderwochen mit geraden Zahlen, jeweils von
17.15 – 19.15 Uhr, im Franziskushaus, Quartierweg 1, in Jegenstorf.
Trägerschaft Schreibdienst jegi-hilft ist die Gemeinde Jegenstorf, die reformierte Kirche
Jegenstorf Urtenen und die katholische Pfarrei St. Franziskus. Unsere Initiative wird von
Swisscom und der Dorfpapeterie Jegenstorf unterstützt.
Norbert Graf
Schreibdienst jegi-hilft     

 

Die Kraft der Beziehungen

dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 3/2024

Miteinander etwas erleben, sich austauschen, gemütlich zusammensitzen und etwas essen und trinken – das baut Beziehungen auf und stärkt sie. Ein Begegnungsabend von Jegi-Hilft am 21. Juni hatte genau dies zum Ziel.

Eine bunte Schar von rund 60 Landsleuten aus Eritrea, aus der Ukraine, der Türkei und der Schweiz trafen sich am früheren Abend im Kirchgemeindehaus in Jegenstorf. Nach einem lockeren Apéro kam man sich in einem von Holger Völlinger inszenierten Improvisationstheater auf humorvolle Weise näher. Es brauchte vorerst keine Sprache, um sich verständigen zu können. Aber reden miteinander ist bekanntlich eine gute Form des sich Kennenlernens. Das kam auch nicht zu kurz, spätestens am Buffet, wo man sich mit türkischen und ukrainischen Spezialitäten bedienen konnte. Sei es ein türkischer Bulgursalat, eine frische kalte Joghurtsuppe mit Gurken oder ein süsses Baklava mit Pistazien zum Dessert. Das ukrainische Kochteam verwöhnte die Gäste mit einer leckeren Borschtsch-Suppe, Teigtaschen und Omeletten mit Konfitüre. Die Schweizer Spezialität war Rüeblitorte. Die fröhlichen Gesichter und die angeregten Gespräche liessen keine Zweifel aufkommen: Man fühlte sich wohl.
Hector Paredes ist Mexikaner, lebte 30 Jahre in Kalifornien und seit vier Jahren in der Schweiz, seit kurzem in Urtenen. Er ist Pastor und betreut vorrangig englisch sprechende Leute. In einem Inputreferat betonte er die Kraft von Beziehungen. Mit dem einander helfen, sich austauschen können Gäste und Heimische voneinander lernen, sich gegenseitig etwas schenken. Mit dem einander tragen werden Lasten nicht kleiner, aber leichter. So hätten Beziehungen sogar die Kraft zu heilen, man könne sich gegenseitig schärfen. Kurz: Beziehungen haben Kraft.

Robert Alder


Zu Besuch im Lernfoyer


Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 2/2024

Zu Besuch im Lernfoyer

Das Lernfoyer ist eine Dienstleistung von Jegi-hilft (
www.jegi-hilft.ch). Jeweils am Montag von 19.30 bis 21 Uhr – oder nach Vereinbarung – treffen sich Fremdsprachige mit Freiwilligen im Kirchgemeindehaus in Jegenstorf.

Um aufzuzeigen wie wichtig diese Dienstleitung ist, beanworten einige Freiwillige sowie Teilnehmer am Lernfoyer ein paar Fragen im Interview.

Was motiviert dich als Freiwillige beim Lernfoyer zu helfen ?
Therese:«Tu, wo du bist, was du kannst, mit dem, was du hast. (Theodore Roosewelt)
Als die Heilsarmee 2016 ein Flüchtlingszentrum für 100 geflüchtete Menschen in Jegenstorf eröffnete, wollte ich mich sehr gerne für die Geflüchteten engagieren. So gründeten einige Leute das Lernfoyer Deutsch, das bis heute besteht.

Ich hatte schon immer Interesse an fremden Ländern und Kulturen. So ist es mir eine grosse Freude, mit Mitmenschen aus anderen Kulturen hier in Jegenstorf in Kontakt zu kommen und sie beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Als ausgebildete Heilpädagogin macht mir auch das Unterrichten in dieser Heterogenität immer wieder viel Spass.

Uschi : Ich bin infolge des Ukraine Krieges zu Jegi Hilft gestossen. Mein Einsatz war als Helferin im Deutschunterricht für UkrainerInner. Nach einem Jahr Deutschunterricht waren die zu Unterrichtenden soweit, dass sie ab Sommer 2023 an der Volkshochschule im A2 einsteigen konnten. Das war schon sehr motivierend auch in der Folge im Deutschunterricht weiterzumachen.

Seit Sommer 2023 treffen Lesley und ich Yuliia mehr oder weniger regelmässig zum Austausch und für die Aufgabenhilfe.

Im 2023 wurde ich angefragt ob ich mich auch im Schreibdienst engagieren würde. Nach 2x Schnuppern bin ich dort 1x im Monat im Einsatz.

Gertrud : Als die Welle der Geflüchteten aus der Ukraine bei uns ankam, war mir als ehemalige Lehrerin sofort klar, dass ich meine Hilfe beim Deutschlernen anbieten wollte. So habe ich während längerer Zeit hier im Rahmen von «jegi- hilft» Deutschunterricht erteilt. Dabei wurde ich kräftig von Helferinnen und Helfern unterstützt. Es ging dabei wirklich um Grundbegriffe der deutschen Sprache. Dabei aber entstand natürlich auch Nähe zu den Menschen, und die persönlichen Nöte und Fragen der Einzelnen haben uns mehr und mehr betroffen und engagiert.

Es konnten immer wieder auch ganz praktische Lösungen gefunden werden.

Ich bin beeindruckt über die grosse Hilfsbereitschaft, die da zum Tragen kommt!

Daniel : Die Sprache zu kennen ist Grundanforderung an alle Asylsuchenden, um in der Schweiz integriert werden zu können. Hier zu unterstützen ist für mich eine grosse Motivation.
Die Lernenden sind sehr dankbar.
Man kann unmittelbare Hilfe anbieten, welche die Teilnehmer sofort anwenden können.

Welche Herausforderung(en) gehen mit dieser Tätigkeit einher ?
Therese : Es braucht viel Einfühlungsvermögen, herauszufinden, was die Bedürfnisse der einzelnen Leute sind und was ihnen dient. Der soziokulturelle sowie der Bildungshintergrund, das Lerntempo und die Lernstrategien sowie die Wünsche sind sehr unterschiedlich. Einige Migrant:innen möchten Hilfe bei den Hausaufgaben aus den besuchten Deutschkursen oder der Berufsschule, andere möchten ihre Deutschkenntnisse erweitern, neuen Wortschatz aufbauen oder Grammatik vertiefen. Wer regelmässig das Lernfoyer besucht, erhält möglichst eine Eins-zu-eins Betreuung und bei Bedarf auch ein passendes Lehrbuch.

Für die meisten Leute ist es ein grosses Bedürfnis, ihre erworbenen Deutschkenntnisse anwenden zu können und sich über die unterschiedlichsten Themen mit uns auszutauschen: Schweizer Kultur, Bräuche und Sitten, Arbeits- und Wohnungssuche, Arzt und Zahnartbesuche, Freizeitmöglichkeiten, Familie, Kinder, Schule, Sorgen und Belastendes…

Es ist dann unsere persönliche Entscheidung, wie weit unsere Freiwilligenarbeit gehen soll und in welchen Bereichen wir zusätzliche Unterstützung anbieten können.

Uschi : Die sprachliche Hürde ist schon die grösste Herausforderung. Im Januar 2023 habe ich den Deutschunterricht «one to one» mit einer Frau aus Angola aufgenommen. Neben der Sprache ist auch der kulturelle und schulische Unterschied ungewohnt.

Gertrud: Am Allerwichtigsten scheint für mich, dass diese Menschen erleben, dass sie nicht allein gelassen sind, dass sie ein offenes Ohr finden und dass sie immer mehr integriert werden. Mittlerweile besuchen jetzt diese Ukrainerinnen weiterführende Sprachkurse in Bern und sind mehrheitlich selbständig.

Daniel: Die Anzahl der Besuchenden und die Anzahl der anwesenden Freiwilligen stimmen häufig nicht überein. Man muss flexibel sein und kann nicht immer mit denselben Besuchenden arbeiten.
Grammatikalische Fragen sind manchmal schwierig zu beantworten. Uns ist die deutsche Sprache in die Wiege gelegt, die Lernenden müssen Deutsch-Regeln haben um die Sprache erfassen zu können.

Kannst du den einen oder anderen Teilnehmer über längere Zeit begleiten und dessen Fortschritte mitverfolgen ?

Therese: Ja, das ist für mich sehr schön, wenn ich Leute längere Zeit begleiten, sie näher kennenlernen und ihre persönlichen Erfolge miterleben kann.

Uschi: Mit Yuliia und Karina bin ich seit Frühling 2022 in Kontakt. Es ist schön zu sehen wo diese zwei Frauen heute stehen. Sie selber sind sehr aktiv und meistern ihre Herausforderung mit der Flucht aus der Ukraine, ihre Aufgaben als Mütter und die Aufgabe eine neue Sprache zu lernen, hervorragend. Man darf nicht vergessen, dass neben all dem diese Frauen noch ihren Rucksack mit den Sorgen an die Daheimgebliebenen mittragen.

Gertrud: Regelmässig begleite ich momentan noch eine Person im Einzelunterricht.

Daniel: Ich übernehme häufig Teilnehmer, deren Tandem-Partner gerade nicht anwesend sind. Da bin ich froh, wenn die Teilnehmer ihre Schulunterlagen mitbringen. Wenn nicht, haben wir eigene Unterlagen, welche helfen.

Die fremdsprachigen Teilnehmenden standen auch für einige Fragen zur Verfügung. Das Gespräch mit ihnen zeigt einige wichtige Aspekte.

Azeb: Das Lernfoyer ist einfach SUPER, Ich komme aus Norwegen und spreche norwegisch, englisch und italienisch. Dies mag ein wenig helfen beim Erlernen der deutschen Sprache Jedoch kann ich keinen Deutschkurs besuchen denn ich kümmere mich um meine Kinder. Und ich musste auf NULL beginnen mit der deutschen Sprache, ich konnte kein einziges Wort. Ich bin den Mithelfenden im Lernfoyer unendlich dankbar! Alle sind immer so freundlich und hilfsbereit!

Natalia: ich spreche nur russisch und ukrainisch, keine westliche Sprache und es ist daher schwieriger, die deutsche Sprache zu erlernen. Im Lernfoyer lerne ich eine Freiwillige Helferin kennen, ich fasse Vertrauen zu ihr und habe nach und nach immer weniger Hemmungen zu sprechen. In einer Klasse würde ich kein Wort sagen, ich wäre zu sehr gehemmt!

Ahmad: Das Lernfoyer hilft mir mich zu integrieren. Wir machen auch Hausaufgaben zusammen. Die deutsche Sprache ist sehr schwierig, vor allem zu Beginn hatte ich sehr Mühe damit. Hier sind alle sehr nett und hilfsbereit, ich komme gerne ins Lernfoyer

Daniel: zur Ergänzung: Das Lernfoyer ist kein Deutschkurs. Wir unterstützen die Teilnehmer dort, wo sie sich gerade befinden im Lernprozess. Wir sprechen miteinander, üben Grammatik, wir können stufengerecht auf jeden Teilnehmenden eingehen. Man muss übrigens nicht eine ausgebildete Lehrperson sein um im Lernfoyer zu helfen.

Natalias Bemerkung, dass sie Vertrauen fassen kann, zeigt einen wichtigen Aspekt auf, den man oft übersieht: um in einer unbekannten Sprache zu sprechen, sich darin zu üben, muss Vertrauen aufgebaut werden damit die lernende Person ungehemmt sprechen kann!

Lernfoyer Jegi -hilft Lernfoyer


Brücken schlagen


Dieser Beitrag erschien im Jegenstorfer 1/2024

Am 25. November fand im Kirchgemeindehaus Jegenstorf ein Seminar zum Thema Transkulturelle Kompetenzen statt. Gut 20 Teilnehmende lauschten gespannt der von Jegi-hilft eingeladenen Referentin und Tagungsleiterin Isabelle M. Derungs, Weiterbildungsverantwortliche bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. «Um Brücken zu schlagen, muss man sich kennen», hielt sie einleitend fest. Aber wir neigen dazu, uns den eigenen Vorstellungen, Denkmustern und Voreingenommenheiten zu bedienen, wenn uns weniger Bekanntes begegnet. So gab sie uns vor, aus Nordsibirien zu stammen und zum Volk der Enzen zu gehören. Dieses kenne wohl niemand, deshalb gebe es keine Assoziationen. Aber wenn sie uns schon am Anfang gesagt hätte, dass sie aus dem Mekongdelta nach dem Vietnamkrieges geflüchtet sei, beginne das Kopfkino bereits zu laufen. «Zuhören ist wichtig», betont sie. Dies gerade ausserhalb unserer Komfortzonen und gegenüber uns weniger vertrauten Kulturen, wie sie uns bei Asylsuchenden begegnen.

Vertraut sein und werden
Fast spielerisch wurde ausgelotet, was unsere Kultur ausmacht, welche Bräuche, Sitten und Rituale uns prägen. Welche Moral- und Wertevorstellungen uns wichtig sind, wie und wann wir unserem Gegenüber Wertschätzung entgegenbringen. Und wo wir unseren Ich-bezogenen Individualismus hochhalten. Der Kollektivismus hat bei uns an Bedeutung verloren, ist aber bei anderen Völkern unverzichtbar, sei es die Ehre der Familiensippe oder der Gehorsam gegenüber dem Staat. Am Beispiel des Eisberges machte Derungs deutlich, dass wir oft nur den kleineren Teil des Verhaltens von fremdländischen Gästen auch wirklich sehen und verstehen. Oft machten diese für uns nicht nachvollziehbare Aussagen, die wir manchmal sogar als unehrlich empfinden. Am Beispiel der Maslov-Pyramide zeigte sie auf, dass es zuerst um die Grundbedürfnisse, also genügend Essen, ein Dach über dem Kopf und eine Grundsicherheit geht. Man solle sich mal auf die andere Seite stellen und sich vorzustellen versuchen, was uns in einem uns fremden Land als erstes wichtig wäre. Eines sei sicher: «Wir wachsen an und mit Schwierigkeiten. Auch wenn wir meinen, unser Gegenüber gut zu kennen, in seine Tiefe können wir dennoch nicht blicken.»

Freiwillig, nicht müssen
«Freiwillig arbeiten ist kein Müssen», betonte Derungs. Doch wie gelingt ein verständnisvolles Miteinander? Aktives zuhören und Interesse zeigen, Fragen stellen und nicht alles klären müssen, sei eines. Aber auch erklären, weshalb etwas für mich wichtig ist, weshalb ich etwas tue oder auch nicht. Sich gegenseitig achten, akzeptieren und verstehen wollen. Um den Erwartungen gerecht zu werden oder nicht gar auszubrennen, muss ich definieren, was und wie viel ich tun will. Es sei klug, einen Anker zu setzen, damit man nicht orientierungslos dahintreibe. Und man dürfe keine Dankbarkeit erwarten, damit man auch nicht enttäuscht werde, rät Isabelle Derungs. Schliesslich seine Asylsuchende lange hin- und hergerissen zwischen hierbleiben können/wollen und gehen müssen.

Robert Alder

 


Willi Werren
Ein Künstler bei Jegi-hilft

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe 4/2023 im Jegenstorfer:
Interview mit dem Künstler Willi Werren. Geboren in Mendrisio, lebt er seit rund 40 Jahren unter uns in Münchringen. Als Verantwortlicher Marketing bei den SBB realisierte er verschiedene innovative Projekte, unter anderem die Schaffung von Kinder/Familienabteilen in den Intercity-Zügen. Zurzeit hilft er als Freiwilliger im Kindermuseum Creaviva des Zentrums Paul Klee.

Was bedeutet Kunst, und speziell Deine Kunst, für Dich?

Beeinflusst von allem was mich umgibt und in der arte povera verankert, realisiere ich Bilder, Skulpturen, Installationen und auch „Sprachquadrate“ von traditionellen und auch neu auftauchenden (Mode-)Wörtern und Redewendungen.

Was motiviert Dich bei Jegi-hilft mitzumachen?

Migration beschäftigt mich. Ich selbst bin mit 5 Jahren mit meiner Familie als „Tschinggeli“ in die Deutschschweiz „eingewandert“. Das Thema ist für mich gestalterisch sehr relevant. So habe ich im Rahmen einer Ausstellung im Rotonda-Wald eine aus Hühnerdraht gestaltete Sans-papiers-Familie auftauchen lassen. Kaum sichtbar. Nur dank Mützen und Handy und dem Wippen im Wind erkennbar.
Bei Jegi-hilft gefällt mir, dass hier viele Ansässige sich gegenüber Fremden/Flüchtlingen öffnen, zu verstehen versuchen und helfen. Auch Mal ein feines äthiopische Essen, wie beim letzten Begegnungsabend, das verbindet.
Kurz gefasst: Austausch statt Abgrenzung.

Was stellen Deine Figuren und Bilder dar?

Im Mirjamraum des Kirchgemeindehauses hängt ein in blau-weisser Farbe gehaltener Öldruck von mir. Erkennbar ist ein grosser Zugvogel. Er fliegt unbeirrt in eine Richtung. Bei Menschen ist die Sache mit dem inneren Kompass etwas komplizierter. Aber letztlich sind wir alle irgendwie unterwegs. Das will ich mit meiner Kunst zum Ausdruck bringen.

Was motiviert Dich beim Kindermuseum Creaviva des Klee-Zentrums mitzumachen?

Es ist für mich eine grosse Bereicherung zu sehen wie unterschiedlichste Kinder sich hier ohne grosse Worte unerschöpflich kreativ ausdrücken und austauschen. Im Internet unter „Creaviva“ kann das Angebot konsultiert werden. Besonders das einstündige, offene Atelier mit monatlich wechselndem Thema ist beliebt. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass das offene Atelier von Flüchtlingsfamilien kostenlos besucht werden kann.
Deutsch büffeln ist wichtig, aber zwischendurch auch Mal ein persönliches, kleines Kunstwerk gestalten hilft auch, sich hier wohl zu fühlen.
Kreativ und aktuell das Thema im Dezember:
Weihnachtliche Fata Morgana!

Du machst auch Sprachquadrate?

Ja, ich setze Wörter und Sätze ins Bild. Sie bekommen dadurch eine andere Wertigkeit. Werden anders wahrgenommen. Für Jegi-hilft und den Jegenstorfer habe ich gerade ein neues Sprachquadrat gestaltet.

Das Team von Jegi-hilft dankt Dir herzlich für dieses Interview.

Ein Einblick in das Schaffen von Willi Werren sehen wir hier

Von Eritrea nach Jegenstorf

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe 3/2023 im Jegenstorfer: Interview mit Familie Elias

Danke dass du mich zu einem Interview einlädst. Ich heisse Yonas Elias und komme aus Eritrea.

In die Schweiz kam ich im Jahr 2006; ich kam nicht direkt nach Jegenstorf, wo ich jetzt mit meiner Familie lebe. Zuerst verbrachte ich 2 Wochen in Basel und wurde dann nach Vallorbe ins Asyslzentrum verlegt. Nach 2 Wochen kam ich in den Kanton Jura. Dort lebte ich von Anfang 2007 bis Ende Januar 2022.

Ich bin verheiratet und habe 2 Kinder. Der ältere Sohn ist 14 jährig und der jüngere 12. Beide sind in Norwegen geboren und bei meiner Frau aufgewachsen. Es fehlten uns die nötigen Papiere und Unterlagen, um ein Zusammenleben zu ermöglichen. Es dauerte 13 Jahre bis wir wieder vereint waren. Das will nicht heissen dass wir uns während 13 Jahren nie sahen. Ich verbrachte meine Ferien mit meiner Familie, manchmal kamen sie in die Schweiz. Einzig durch Gottes Gnade konnten wir diese Zeit überstehen. Um die erforderlichen Dokumente für den Familiennachzug zu erhalten, musste ich eine Vollzeitstelle haben, und das hatte ich lange Zeit nicht. Meine Frau konnte nicht Vollzeit arbeiten, weil sie die Kinder betreute. Deshalb verging so viel Zeit bis zur Zusammenführung unserer Familie.

Endlich hatte ich einen Vollzeitjob. Meine Familie konnte zu mir ziehen. Zur Zeit als wir nicht zusammen leben konnten, sage ich nur: Es war sehr hart! Es ist ja nicht nur für eine Nacht ohne die geliebte Familie. In dieser Zeit setzte ich wirklich meinen ganzen Glauben in Gott. Und Gott war treu und half mir durch seine Barmherzigkeit und Gnade in allem.

Aus dem Leben der eritreischen Kirche in der Schweiz

Zu deiner Frage betreffend meinem Dienst und meine Erfahrung in der Kirche: Zuerst möchte ich Gott danken für Seine Barmherzigkeit, Seine Gnade und Seine Kraft. Dank dem ist es mir möglich, Ihm zu dienen. Ich begann meinen Dienst in der Living God Church (eritreische Kirche) in Bern. Jedes Wochenende reiste ich von Delemont nach Bern, um mit den Neuankömmlingen in der Bibel zu lesen und ihnen die Texte zu erklären. Ich leitete die Abend-Gebetsgruppe. Ausserdem war ich mit unseren Kirchenmitgliedern unterwegs, um am Bahnhof Bern anderen Menschen Gottes Wort mitzuteilen, damit sie auch Jesus kennen lernen. Jene denen ich die Bibel erklärte, und die zu Jesus fanden, sind nun verheiratet, haben Kinder und dienen ihrerseits in der Kirche. Einige von ihnen sind Aelteste.

Im Jahre 2012 wurde ich mit 2 anderen Mitgliedern der Kirche dazu erwählt, Aeltester zu sein, also wie ein Pfarrer. Das war keine einfache Aufgabe, denn man ist in leitender Position. Ohne Gottes Gnade ist es unmöglich. Um fruchtbar zu sein muss man demütig, geduldig und voller Glauben und Hoffnung auf Gott sein – das ist der Weg!

Binnen kurzer Zeit wuchs unsere Gemeinde von 10-15 auf 300 Gläubige! Einige dienen im Chor, oder als Beter, Diakone, Evangelisten und Lehrer. Wir achten darauf dass sie gut ausgerüstet sind, indem wir sie unterrichten und viele unterschiedliche Kurse organisieren.

Die Mitglieder der eritreischen Kirche in Bern kommen aus den Kantonen Bern, Freiburg und Neuenburg. Im Januar 2017 wurde beschlossen in jeder grösseren Stadt je eine Kirche zu öffnen. Jede Kirche hat Aelteste, Pfarrer, und seither diene ich als Aeltester in der eritreischen Kirche in Biel.

Familie Elias


Begegnungsabend jegi-hilft

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe 2/2023 im Jegenstorfer

Kurt Bienz: An einem Donnerstag im Mai treffen sich Geflüchtete und Freiwillige von jegi-hilft zu Austausch und Begegnung. Während den letzten Monaten sind die Beziehungen untereinander gewachsen. So ist es gar nicht einfach die angeregten Gespräche zu unterbrechen. Lydia Baumgartner überbringt die Grüsse und den Dank der Einwohnergemeinde. «Die Zusammenarbeit unter den Partnern der katholischen und reformierten Kirchgemeinden und der Gemeinde funktioniert gut», sagt sie. «Das Engagement der Freiwilligen und die Bereitschaft der neu Zugezogenen, sich auf eine neue Kultur einzulassen, ist stark.»

Karina Pavlova formuliert, was ihr wichtig ist:

Mein Name ist Karina. Mein Sohn und ich haben die Ukraine einen Monat nach Kriegsbeginn verlassen. In diesem Moment flogen Bomben auf die Stadt Charkow, die drei Autostunden von mir entfernt ist. Das hat mich dazu gebracht, alles zu verlassen, was ich hatte. Mit einer Sporttasche und einem kleinen Rucksack gingen wir an einen Ort, an dem wir niemanden kennen und dich niemand kennt.
Warum Schweiz? So Gott entschied.
Warum Jegenstorf? So Gott gesegnet.
In Jegenstorf lebten wir nach der Migration gemeinsam im Haus einer sehr guten Familie. Offene, wunderbare Menschen haben uns empfangen. Dann lebten wir noch bei einer zweiten Gastfamilie. Auch dies eine wunderbare Familie. Beide haben sehr, sehr viel für mich und meinen Sohn Michail getan. Seit Juli letzten Jahres leben wir in einer separaten Wohnung. Und dies dank der Hilfe meiner Schweizer Familien.
Die ganze Zeit, die wir hier sind, treffen wir Menschen mit einem guten Herzen.
Unsere geliebten Deutschlehrerinnen verbringen viel Zeit und Energie damit, uns Schülerinnen bei der Anpassung zu helfen.
Viele Menschen helfen uns und nehmen an unserem Leben teil. Es würde viel Papier brauchen, um alle aufzuzählen.
Und ich will weiter im Namen aller Ukrainer dem Schweizer Volk für Aufrichtigkeit und Mitgefühl danken.
Karina Pavlov

Begegnungsabend Jegi hilft

Austausch 22. Juli 2022

Austausch Juli 2022

Dorfrundgang, 4. Juni 2022

Dorfrundgang Juni 2022

Abend für Gastgebende, 24.Mai 2022

Abend für Gastgebende

Das Lernfoyer Deutsch von jegi-hilft

Im letzten Jegenstorfer (4/2021) wurde über die Zeit berichtet, als in Jegenstorf bis zu hundert Asylsuchende in der Kollektivunterkunft im Hänni-Areal wohnten und das Dorfbild geprägt war durch viele fröhliche und kontaktfreudige Menschen aus vielen Ländern, vorwiegend Eritrea, Afghanistan und dem Iran. Geblieben in Jegenstorf sind ein paar wenige Leute, welche nach der Schliessung der Unterkunft hier eine Wohnung finden konnten und solche, welche wieder nach Jegenstorf zogen. Geblieben und seither weiter ausgebaut oder neu hinzugekommen sind Angebote von Freiwilligen von jegi-hilft zugunsten von Geflüchteten und anderen Unterstützung suchenden Menschen. Eines dieser Angebote ist das Lernfoyer Deutsch.

Was ist das Lernfoyer Deutsch?
Auf der Internetseite www.jegi-hilft.ch/lernfoyer-deutsch/ bieten freiwillige Helferinnen und Helfer Interessierten in der Regel wöchentlich einen Rahmen, um mit ihnen die deutsche Sprache zu üben und anzuwenden. Das Lernfoyer erteilt keine Deutschkurse, sondern versteht sich als unterstützendes Angebot für Erwachsene beim Erlernen der deutschen Sprache. Es wird Raum geschaffen, die deutsche Sprache zu sprechen, sie einzuüben, in der Schule Gelerntes zu vertiefen und auf bevorstehende Prüfungen hin zu arbeiten.

Gerne dürfen alle mit fremdsprachigem Hintergrund vorbeikommen.

Gegenwärtig besuchen durchschnittlich drei bis vier Personen jeden Montag von 19:30 bis 21:00 Uhr das Lernfoyer im Kirchgemeindehaus Jegenstorf. Dort werden sie von den Freiwilligen 1:1 betreut.

D.h. eine Helferin, ein Helfer betreut eine Person während 90 Minuten und kann sich ungeteilt dem Sprachtraining eines Besuchenden widmen. Ist das Bedürfnis da, einfach sprechen zu können, redet man über ein bestimmtes Thema oder frei miteinander. Ist Hilfe nötig bei den Hausaufgaben werden, diese zusammen erledigt. Auch Probleme oder Unklarheiten im nicht einfachen Alltag der Geflüchteten werden besprochen.

Vertrauensvolle Beziehungen
Diese regelmässigen wöchentlichen Treffen sind gerade auch für Personen ohne Arbeit eine willkommene und wertvolle Abwechslung. Durch die regelmässigen Kontakte entstehen vertrauensvolle Beziehungen, welche von Wertschätzung und Dankbarkeit geprägt sind.

Auch vor dem Lernfoyer hat Corona nicht Halt gemacht und verhinderte eine Zeit lang das wöchentliche Treffen am Montagabend im Kirchgemeindehaus. Die Not macht bekanntlich erfinderisch, und so überbrückten wir die Zeit, indem wir unsere Lernenden zu Hause besuchten oder diese zu uns nach Hause kamen. Diese Form machte es auch möglich, dass man sich anstelle montagabends an einem anderen Wochentag zu einer x-beliebigen Zeit treffen konnte.

Schreibdienst
Haben die Besucher besondere Anliegen im Zusammenhang mit Behörden oder der Suche nach Arbeit, leistet der Schreibdienst von jegi-hilft wertvolle Unterstützung. Gerne weisen wir unsere Besuchenden dann jeweils auf dieses Angebot hin.

Tandems 
Es haben sich aber auch fixe Tandems gebildet, welche nur in losem Kontakt zum Lernfoyer arbeiten. So unterstützt ein Freiwilliger in mehr oder weniger regelmässigen Abständen einen Mann, der sehr zielstrebig an seiner sprachlichen und beruflichen Integration arbeitet, je nach dessen Wunsch und Bedürfnis.

Ein anderer Freiwilliger trifft sich praktisch wöchentlich mit einem jungen Mann, welcher eigentlich keine sprachliche Hilfe mehr benötigt und erfolgreich eine Ausbildung abgeschlossen hat. Hier ist eine Freundschaft aus den regelmässigen, zweckbestimmten Treffen entstanden, welche nun gepflegt wird und für beide Seiten bereichernd ist.

Grosse Unterschiede 
Es gibt extreme Unterschiede bei der Fertigkeit des Erlernens der deutschen Sprache. Da sind Geflüchtete, welche sich innert ein paar Monaten enorme Kenntnisse aneignen können. Sie konjugieren was das Zeug hält, kennen bereits verschiedene Zeitformen und der Wortschatz ist schon recht gross. Sie können fliessend lesen und verstehen mehrheitlich was sie lesen oder hören. Da gibt es aber auch diejenigen, welche sich schwer tun beim Erlernen der deutschen Sprache. Auch nach Jahren hapert es mit dem Lesen, dem Formulieren von vollständigen Sätzen mit Subjekt, Verb und Objekt. Da ist echter Durchhaltewille gefragt, sowohl bei den Lernwilligen als auch bei den Freiwilligen. Denn das ist allen klar, ohne ein gewisses Sprachniveau erreicht zu haben wird es schwierig, eine Arbeit zu finden oder einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Es ist bewundernswert, wie gerade diese Gruppe hartnäckig dranbleibt und diese schwierige Zeit einfach aushält und nicht aufgibt. Und so können wir uns dann gemeinsam mit den Deutsch Lernenden freuen, wenn dann (endlich) ein erstes Sprachzertifikat geschafft ist oder eine Bewerbung auf eine Arbeits- oder Praktikumsstelle erfolgreich gewesen ist.

Fazit
In den vergangenen Jahren konnten so schon etliche Geflüchtete dank unermüdlichem Einsatz wirtschaftlich selbständig werden.

Was nicht vergessen werden darf: Die verschiedenen Angebote von jegi-hilft leisten nebst ihren verschiedenen konkreten und wertvollen Diensten einen vielleicht noch viel wichtigeren Beitrag: Sie vermitteln den Teilnehmenden das gute Gefühl, bei uns in der Schweiz und in Jegenstorf willkommen zu sein, auf unsere Hilfe zählen zu können und ein Teil unserer Gesellschaft zu sein.
In Zukunft soll nebst den Geflüchteten auch unter anderen Menschen mit nicht-deutschem Sprachhintergrund das Angebot besser bekannt gemacht werden. Vielleicht erzählen Sie jemandem von dieser Möglichkeit hier vor Ort in Jegenstorf? Auch Interessierte, welche gerne im Lernfoyer mithelfen möchten sind herzlich willkommen.

Lernfoyer Deutsch jeden Montag, 19.30 – 21.00 Uhr im Kirchgemeindehaus Jegenstorf

Daniel Keller- Artikel erschien im Jegenstorfer 1/2022

Jegenstorfer Dezember 2021

jegi-hilft unterstützt Geflüchtete in Jegenstorf

Sie erinnern sich vielleicht an 2016, als die Schweiz sehr viele Flüchtlinge aufnahm und in verschiedene Regionalzentren verteilte. Die Gemeinde Jegenstorf konnte das leerstehende Hänni-Areal als Unterkunft für bis zu 100 Asylsuchende bereitstellen und die Bevölkerung wurde zu einer Informationsveranstaltung im Kirchgemeindehaus eingeladen. Das Interesse war sehr gross. Es gab viele Fragen: sowohl Ablehnung, Skepsis und Ängste, als auch Interesse, Offenheit und Hilfsbereitschaft. Die Verantwortlichen klärten umfassend auf und so kam es, dass ab Mai 2016 fremdartige Menschen das Dorfbild veränderten. Da die Kollektivunterkunft (im Gegensatz zu anderen Orten) nicht in unterirdischen Räumen eingerichtet wurde, kamen eher Familien, Frauen und Kinder zu uns.

Gegen 60 JegenstorferInnen erstellten unter der Leitung der Einwohnergemeinde und der beiden Kirchgemeinden ein Hilfsnetz mit dem Namen jegi-hilft, welches ein gutes Zusammenleben und sich Zurechtfinden ermöglichte. Es gab Dorfrundgänge mit den Neuankommenden; ein Begegnungskaffee und ein Deutschlernforum im Kirchgemeindehaus; Abgabe von Kleidern, Haushalt- und Kindersachen und anderem im Theresaladen; Sport-, Spiel- und weitere Angebote; ebenso Beschäftigungsprogramme wie z.B. Dorf- und Waldputzeten. Man lernte sich gegenseitig kennen und winkte sich im Dorf bald freundlich zu.

In der Kollektivunterkunft war ein Kommen und Gehen: während die einen wieder weg mussten, erhielten andere Aufenthaltsbewilligungen und sahen sich nach privatem Wohnraum und Arbeit um. Viele wollten am liebsten in Jegenstorf bleiben, weil sie hier Beziehungen und gute Aufnahme gefunden hatten.

Seit das Flüchtlingszentrum nach 18 Monaten zuging, gibt es für jegi-hilft neue Aufgaben.

Das Begegnungscafé wurde wegen der Pandemie geschlossen, das Lernfoyer wird immer noch gerne genutzt, die Schreibstube (siehe Jegenstorfer Nr. 2/21), ist die beliebte Anlaufstelle für Schriftliches.

Jede Familie oder Wohngruppe hat freiwillige Begleitpersonen, die bei der Wohn- und Arbeitsintegration beistehen, bei Betreuungsplätzen und Einschulung der Kinder oder im Verkehr mit Ämtern und vielem anderen helfen. Aus den sogenannten Wohntandems sind heute eher Freundschaften geworden.

Ein Beispiel von gelingender Integration

Das tibetische Paar war seit der Eröffnung des Asylzentrums 2016 in Jegenstorf, die beiden fielen uns durch ihre Freundlichkeit und Offenheit auf und sie nahmen dankbar an den Angeboten von jegi-hilft teil. Im November 2016 wurde ihr 1. Kind geboren, das winzige Zimmer wurde entsprechend eingerichtet, aber als ihr Asylantrag bewilligt wurde, waren sie sehr froh, bald ihre erste kleine Wohnung zu finden, wo sie etwas mehr Ruhe und Privatsphäre hatten.

Das Paar lernte eifrig deutsch und konnte sich bald so weit verständigen, dass die Arbeitsintegration beginnen konnte.

Als das 2. Kind kam, brauchten sie mehr Platz und fanden mit Hilfe ihres Schweizer Begleitpaares eine etwas grössere Wohnung.

Dieses Wohntandem ist wesentlich bei der erfolgreichen Integration, gibt es doch immer wieder Hürden zu überwinden, wo Beistand nötig ist; sei es im Verkehr mit Ämtern, den Finanzen, bei Krankheit oder Unfall und vielem weiteren. Auch die Kommunikation mit dem zuständigen Hilfswerk ist nicht immer einfach, die Erreichbarkeit und Zuständigkeit nicht optimal, die Regeln nicht immer einsichtig.

Den Kindern geht es gut, sie werden liebevoll erzogen. Die Ältere geht in den Kindergarten und beide sind mit der Kita vertraut, um Kontakte zu haben und deutsch zu lernen. Während das Mädchen recht schüchtern ist, ist der Bub offen und lebhaft.

Die Frau konnte ein Praktikum in einer Reinigungsfirma anfangen, wo es ihr gefällt und auch die Arbeitgeberin zufrieden ist.

Der Mann hat Integrationskurse und Praktika hinter sich und ist nun im 2. Jahr der Kochlehre EBA im benachbarten Alterswohnsitz.

Auch wenn die Wohnung liebevoll mit Bildern aus Tibet geschmückt ist und die Geflüchteten schon Heimweh haben, schauen sie vorwärts und sehen hier ihre Zukunft. Sie betonen, dass sie sich hier in Jegenstorf wohl fühlen und sehr dankbar sind für die gute Aufnahme und für alle Unterstützung, insbesondere von ihrer Tandemfamilie, ohne die sie vieles nicht geschafft hätten und die fast wie ihre Schweizer Eltern sind.

Lisalotte Dworzak, abgedruckt im Jegenstorfer Dezember 2021

Anmeldung per E-Mail:

Ihre Anmeldung erachten wir als verbindlich – mit Angabe Name/Vorname, Adresse, Telefon und E-Mail mit Vermerk im Betreff Jegenstorf 25.11.2023
zu senden an: isabelle.derungs@fluechtlingshilfe.ch / Tel. +41 (0)77 469 06 23
bis spätestens 20. November 2023

Lernfoyer Deutsch
jeden Montag, 19.30 bis 21.00 Uhr
Kirchgemeindehaus Jegenstorf

Schreibdienst
jeden Dienstag in den geraden Kalenderwochen
17:15–19:15 Uhr
Franziskushaus